Die Neurodermitis ist eine der gefürchtetsten Hautkrankheiten – natürlich abgesehen vom Hautkrebs – was aber völlig unnötig ist. Die Krankheit verläuft häufig in Schüben mit wechselnder Intensität und sie hört nach unterschiedlich langen Verläufen auf, d.h. sie verschwindet völlig. Trotzdem wird über kaum eine Hautkrankheit mehr geredet und keine steht so im Vordergrund wie die Neurodermitis. Das mag daran liegen, dass über keine andere Krankheit so wunderbar spekuliert werden kann, wie über diese. Jeder gefragte und ungefragte Mensch kennt sich prinzipiell damit recht genau aus, zumindest haben alle von abschreckenden Beispielen gehört. Dies ist für die Betroffenen und speziell für die Eltern mit Neurodermitiskindern eine schwere Bürde, denn alle Verwandten, Freunde und Bekannten wissen es besser und werfen einem ständig fehlerhaftes Verhalten vor. Sei es bei der Hautreinigung und -pflege, bei der Ernährung, bei der Gestaltung des Alltags oder gar der Einstellung zum Leben, bei der Stressbewältigung und nicht zuletzt bei der Arztwahl. Deswegen gehen viele Betroffene gleich zum Heilpraktiker, weil vom dem mehr zu erwarten ist als von einem „Schulmediziner“, von dem, wie man immer wieder hört, nichts zu erwarten ist, außer dass dort nur Kortison verschrieben wird.

Bei der Neurodermitis neigt die Haut zu ständig in der Schwere wechselnder Entzündung mit „grauer“ Rötung, Trockenheit, Schuppung, Hautverdickung (Lichenifikation) nicht selten zu quälendem Juckreiz. Die gesamte Hautoberfläche vom Kopf bis zu den Füßen kann betroffen sein. Typischerweise sind besonders die Kniekehlen und Ellbeugen betroffen, aber auch die Region hinter den Ohren und sehr häufig das Gesicht. Sie kann in jedem Lebensalter auftreten. Natürlich häufiger bei Kindern und Jugendlichen. Allergien vom Soforttyp, also allergische Reaktionen auf Hausstaub, Pollen, Tierhaare, Anflugpilze (Schimmel) und Nahrungsmittel können ursächlich vorhanden sein. Trockene Haut gehört typischerweise dazu. Im diagnostisch-therapeutischen Gespräch muss auf familiäres Vorkommen geachtet werden. Hierzu zählen der Heuschnupfen, allergisches Asthma oder andere Allergien vom Soforttyp bei den Eltern. Zu beachten sind seelische und familiäre Belastungen und körperliche Leiden, wie Infektanfälligkeit oder Nahrungsmittelintoleranzen. Manchmal sind erhöhte Erwartungen an ehrgeizige und intelligente Kinder ein erheblicher Stressfaktor für diese und das kann an der Entstehung der Neurodermitis beteiligt sein. Zu Beginn der Diagnostik müssen solche Probleme angesprochen werden. Dann wird in der Regel ein Allergietest notwendig. Da die Haut als Untersuchungsorgan für die Tests wegen der starken Entzündung nicht in Frage kommt oder die Kinder zu jung dafür sind, wird eine Blutanalyse auf verschiedene Allergene durchgeführt. Häufig wird durch diese Untersuchung eine mögliche Ursache gefunden und man kann auch Aussagen machen, über den zu erwartenden Verlauf der Erkrankung durch die Höhe des ermittelten Immunglobulin E. Die Therapie muss sich immer dem gerade aktuellen Zustand der Haut anpassen. Mal kann man mit rein pflegenden Maßnahmen eine Stabilisierung erreichen, mal müssen potente Medikamente eingesetzt werden, um eine akute Phase rasch zu beenden. Wichtig ist es dabei, zu bedenken, dass die jeweilige akute Phase immer länger anhält, als es scheint. Wenn also eine rasche Heilung z.B. auf die Gabe von cortisonhaltigen Salben eingetreten ist, dürfen diese nicht schlagartig abgesetzt werden, sondern werden noch in einer ausschleichenden Erhaltungstherapie (Proaktive Therapie) in immer größer werden Zeitabständen eingesetzt. Dies gilt für alle Salben, die verwendet werden. Denn es gibt inzwischen mehr als nur Cortisonsalben, um die Neurodermitis langfristig zu behandeln und erträglich zu bekommen. Hier sind die Calcineurin-Inhibitoren zu nennen, die in weniger starken Fällen initial gegeben werden und bei akuteren Verläufen die Besserung nach Cortison stabilisieren können. Bei Jugendlichen und Erwachsenen hat sich die Aero-Sol-Therapie als sehr hilfreich erwiesen, was die nachhaltige Beruhigung der Haut angeht. Siehe auch „Rahmenbedingungen“

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